materielle Tateinheit (Idealkonkurrenz)


Definition zu:

Materielle Tateinheit (Idealkonkurrenz) liegt vor, wenn mehrere Einzelhandlungen des Täters für die strafrechtliche Beurteilung zu einer Handlungseinheit verbunden werden.

Keywords
  • mehrere Einzelhandlungen des Täters
  • normative Verbindung zu einer Handlungseinheit
Hintergrundwissen
  • Trotz des Wortlauts "dieselbe Handlung" geht es um mehrere Handlungen, die normativ zu einer Handlungseinheit zusammengefasst werden. Dabei wird zwischen natürlicher Handlungseinheit und rechtlicher Handlungseinheit unterschieden.
  • Natürliche Handlungseinheit liegt vor, wenn mehrere Handlungen in einem engen räumlich-zeitlichen Zusammenhang stehen und in natürlicher Betrachtungsweise als ein zusammengehöriges Tun erscheinen, welches von einem einheitlichen Willen getragen wird.
  • Rechtliche Handlungseinheit liegt vor, wenn der gesetzliche Tatbestand mehrere natürliche Willensbetätigungen zu einer rechtlich-sozialen Bewertungseinheit verbindet.
  • Der materielle Tatbegriff ist von dem prozessualen Tatbegriff nach § 264 StPO zu unterscheiden. Letzterer erfasst alles, was bei natürlicher Betrachtung einen einheitlichen Lebensvorgang darstellt. Das ist der Fall bei Geschehnissen, die einen engen sachlichen, räumlichen und zeitlichen Zusammenhang aufweisen, sodass eine Aufspaltung in verschiedene Taten als unnatürlich empfunden würde.
Fundstellen
  • JA 2019, 581 (584)