Raub (§ 249 I StGB)


Schema zu:

A. Tatbestand
I. Objektiver Tatbestand
1. Wegnahme einer fremden beweglichen Sache
a) Fremde bewegliche Sache
Eine Sache ist jeder körperliche Gegenstand.
Fremd ist eine Sache, wenn sie zumindest im Miteigentum eines anderen steht.
Beweglich ist eine Sache, wenn sie tatsächlich fortbewegt werden kann.

b) Wegnahme
Eine Wegnahme ist der Bruch fremden Gewahrsam und die Begründung neuen, nicht notwendigerweise tätereigenen Gewahrsams.
Gewahrsam ist die von einem natürlichen Herrschaftswillen (subjektives Element) getragene tatsächliche Herrschaft über eine Sache (objektives Element), wobei für die Zuordnung die Anschauungen des täglichen Lebens maßgeblich sind (normativ-soziales Element).

2. Einsatz eines qualifizierten Nötigungsmittels
a) Gewalt gegen eine Person
Gewalt ist die Vermittlung körperlich wirkenden Zwangs zur Überwindung eines geleisteten oder erwarteten Widerstands.

b) Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben
Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben ist das In-Aussichtstellen eines künftigen Übels, auf welches der Täter Einfluss zu haben vorgibt und bei dem als Schaden der Eintritt einer nicht ganz unerheblichen Körperverletzung oder gar des Todes droht.

3. Finalzusammenhang
Es muss eine finale Verknüpfung zwischen Nötigungsmittel und Wegnahme dergestalt bestehen, dass nach der Tätervorstellung das Nötigungsmittel als Mittel zur Wegnahme eingesetzt wird.

II. Subjektiver Tatbestand
1. Vorsatz
Vorsatz bzgl. aller objektiven Tatbestandsmerkmale.

2. Zueignungsabsicht
Zueignungsabsicht liegt vor, wenn der Täter die Sache selbst (Sachsubstanz) oder den in ihr verkörperten funktionsspezifischen Wert (Sachwert) seinem Vermögen oder dem Vermögen eines Dritten wenigstens vorübergehend einverleiben (Aneignungskomponente, dolus directus 1. Grades nötig) und den Berechtigten auf Dauer aus seiner wirtschaftlichen Position verdrängen will (Enteignungskomponente, insoweit genügt dolus eventualis).

B. Rechtswidrigkeit
  • Rechtswidrigkeit ist durch Tatbestandsverwirklichung indiziert.
  • Rechtfertigungsgründe (z.B. §§ 32, 34 StGB) nur bei Vorliegen von Anhaltspunkten zu prüfen.
C. Schuld
Sofern keine gegenteiligen Anhaltspunkte vorliegen, kann die schuldhafte Begehung kurz im Urteilsstil bejaht werden.
Als mögliche Schuldausschließungs- bzw. Entschuldigungsgründe kommen insbesondere in Betracht:

  • unvermeidbarer Verbotsirrtum (§ 17 S. 1 StGB)
  • Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen (§ 20 StGB)
  • Notwehrexzess (§ 33 StGB)
  • entschuldigender Notstand (§ 35 StGB)