Gefährliche Körperverletzung (§ 224 I StGB)


Schema zu:

A. Tatbestand
I. Objektiver Tatbestand
1. Grundtatbestand
2. Vorliegen eines Qualifikationsmerkmals
a) durch Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen (Nr. 1)
  • Gift ist jeder organische oder anorganische Stoff, der durch chemische oder chemisch-physikalische Wirkung bei der kokreten Verwendung geeignet ist, erhebliche Gesundheitsschäden hervorzurufen.
  • Andere gesundheitsschädliche Stoffe sind solche, die sich durch mechanische oder thermische Wirkung in erheblicher Weise nachteilig auf die Gesundheit auswirken.
  • Beibringen ist das Herstellen einer Verbindung des Stoffes mit dem Körper des Opfers, sodass er seine schädigende Wirkung entfalten kann.
b) mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs (Nr. 2)
  • Eine Waffe ist ein körperlicher Gegenstand, der seiner Beschaffenheit nach dazu geeignet und bestimmt ist, erhebliche Verletzungen herbeizuführen.
  • Ein gefährliches Werkzeug ist jeder Gegenstand, der nach seiner Beschaffenheit geeignet ist, bei der konkreten Verwendung als Angriffs- oder Verteidigungsmittel erhebliche Verletzungen herbeizuführen.
c) mittels eines hinterlistigen Überfalls (Nr. 3)
  • Ein Überfalls ist ein plötzlicher, unerwarteter Angriff auf einen Ahnungslosen.
  • Hinterlistig ist ein Überfall, wenn der Täter seine wahren Absichten planmäßig berechnend verdeckt, um dadurch dem Opfer die Abwehr zu erschweren.
d) mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich (Nr. 4)
  • Eine gemeinschaftliche Begehung liegt vor, wenn dem Opfer am Tatort mindestens zwei Personen gegenüberstehen, die einverständlich zusammenwirken.
e) mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung (Nr. 5)
  • Lebensgefährdende Behandlungen sind solche, die ihrer Art nach und bei Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalls generell geeignet sind, das Leben zu gefährden.
II. Subjektiver Tatbestand
Vorsatz bzgl.

  • aller objektiven Tatbestandsmerkmale
  • der verwirklichten Qualifikationsmerkmale
B. Rechtswidrigkeit
  • Rechtswidrigkeit ist durch Tatbestandsverwirklichung indiziert.
  • Rechtfertigungsgründe (z.B. §§ 32, 34 StGB) nur bei Vorliegen von Anhaltspunkten zu prüfen.
  • Bei Einwilligung des Opfers Grenzen des § 228 StGB beachten.
C. Schuld
Sofern keine gegenteiligen Anhaltspunkte vorliegen, kann die schuldhafte Begehung kurz im Urteilsstil bejaht werden.
Als mögliche Schuldausschließungs- bzw. Entschuldigungsgründe kommen insbesondere in Betracht:

  • unvermeidbarer Verbotsirrtum (§ 17 S. 1 StGB)
  • Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen (§ 20 StGB)
  • Notwehrexzess (§ 33 StGB)
  • entschuldigender Notstand (§ 35 StGB)