Fahrlässige Körperverletzung (§ 229 StGB)


Schema zu:

A. Tatbestand
I. Handlung
II. Erfolg
1. Körperliche Misshandlung
Die körperliche Misshandlung ist eine üble, unangemessene Behandlung, die das körperliche Wohlbefinden oder die körperliche Unversehrtheit nicht nur unerheblich beeinträchtigt.

2. Gesundheitsschädigung
Die Gesundheitsschädigung ist jedes Hervorrufen oder Steigern eines krankhaften, pathologischen von den körperlichen Normalfunktionen abweichenden Zustands.

III. Kausalität
Eine Handlung ist ursächlich (kausal) für den Erfolg, wenn sie nicht hinweggedacht werden kann, ohne dass der Erfolg in seiner konkreten Gestalt entfiele.

IV. Objektive Zurechnung
Objektiv zurechenbar ist ein Erfolg dann, wenn der Täter eine rechtlich relevante Gefahr geschaffen hat, die sich im tatbestandsmäßigen Erfolg realisiert hat.

V. Fahrlässigkeit
1. Objektive Sorgfaltspflichtverletzung
  • Außerachtlassen der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt
2. Objektive Vorhersehbarkeit
  • Erfolgseintritt und Kausalverlauf müssen objektiv vorhersehbar sein
B. Rechtswidrigkeit
  • Rechtswidrigkeit ist durch Tatbestandsverwirklichung indiziert.
  • Rechtfertigungsgründe (z.B. §§ 32, 34 StGB) nur bei Vorliegen von Anhaltspunkten zu prüfen.
  • Bei Einwilligung des Opfers Grenzen des § 228 StGB beachten.
C. Schuld
Bei Fahrlässigkeitstaten sind in der Schuld bei Anhaltspunkten zu prüfen:

  • Subjektive Sorgfaltspflichtverletzung
  • Subjektive Vorhersehbarkeit
Als mögliche Schuldausschließungs- bzw. Entschuldigungsgründe kommen insbesondere in Betracht:

  • unvermeidbarer Verbotsirrtum (§ 17 S. 1 StGB)
  • Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen (§ 20 StGB)
  • Notwehrexzess (§ 33 StGB)
  • entschuldigender Notstand (§ 35 StGB)
D. Strafantrag
  • Strafverfolgung gemäß § 230 I 1 1. HS StGB nur auf Antrag
  • Ausnahme: besonderes öffentliches Interesse (§ 230 I 1 2. HS StGB)