Tatumstandsirrtum


Definition zu:

Ein Tatumstandsirrtum (auch Tatbestandsirrtum) ist gegeben, wenn der Täter irrig davon ausgeht, dass ein objektives Tatbestandsmerkmal nicht vorliegt.

Keywords
  • Irrtum über objektive Tatbestandsmerkmale
Hintergrundwissen
  • Untauglicher Versuch: Geht der Täter irrig davon aus, dass er den objektiven Tatbestand einer Strafnorm verwirklich hat, liegt ein untauglicher Versucht vor, vgl. § 23 III.
  • Wahndelikt: Geht der Täter irrig davon aus, durch sein Verhalten Unrecht zu verwirklichen, liegt ein strafloses Wahndelikt vor.
  • Es genügt, wenn der Täter Bedeutungskenntnis hat, d.h. wenn er aus Sicht eines Laien den rechtlich-sozialen Bedeutungsgehalt des objektiven Tatbestandsmerkmals richtig erfasst (sog. Parallelwertung in der Laiensphäre).
  • Die Abgrenzung von Rechts- und Tatsachenirrtümern kann im Einzelfall immense Schwierigkeiten bereiten. Im Rahmen des Ausbildungsstoffes wird diese sog. Problematik der normativen Tatbestandsmerkmale allerdings eher selten relevant und in der Regel im Zusammenhang mit dem jeweiligen Delikt thematisiert. Im Nebenstrafrecht sowie Ordnungswidrigkeitenrecht kommt die Problematik allerdings häufiger zum Tragen.
Fundstellen
  • Jura 79, 1 (3); 71, (113)