Heimtücke


Definition zu:

Heimtückisch tötet, wer die auf Arglosigkeit beruhende Wehrlosigkeit des Opfers in feindlicher Willensrichtung bewusst zur Tötung ausnutzt. Arglos ist, wer sich im Zeitpunkt der Ausführungshandlung keines tätlichen Angriffs auf sein Leben oder seine körperliche Unversehrtheit versieht. Wehrlos ist, wer sich infolge der Arglosigkeit nicht oder nur eingeschränkt verteidigen kann.

Keywords
  • auf Arglosigkeit beruhende Wehrlosigkeit des Opfers
  • bewusst zur Tötung ausnutzt
  • feindliche Willensrichtung
Hintergrundwissen
  • Als Mordmerkmal der 2. Gruppe muss die Heimtücke objektiv vorliegen und vom Vorsatz erfasst sein.
  • Kleinstkinder unter 3 Jahren können keinen Argwohn entwickeln. Heimtücke kommt bei ihrer Tötung dann in Betracht, wenn die Arg- und Wehrlosigkeit schutzbereiter Dritter ausgenutzt wird. Dabei muss der Dritte nicht unmittelbar anwesend sein, sondern eine gewisse räumliche Nähe genügt.
  • Eine Tötung in feindseliger Willensrichtung ist ausgeschlossen, wenn der Täter zum Opferwohl oder in Verfolgung eines guten Zwecks tötet.
  • "Heimtücke setzt keine Heimlichkeit voraus": Das Opfer kann auch dann arglos sein, wenn der Täter ihm zwar offen feindselig gegenübertritt, die Zeitspanne zwischen dem Erkennen der Gefahr und dem unmittelbaren Angriff aber so kurz ist, dass keine Möglichkeit bleibt, dem Angriff irgendwie zu begegnen.
Klausurtipps
  • Ganz grundsätzlich gilt: Heimtücke ist fast immer problematisch. Hier empfehlen sich regelmäßig Ausführungen, die über die bloße Subsumtion hinausgehen.
Wichtige Fälle
Anerkannte Fälle
  • Töten schlafender Personen, es sei denn, das Tatopfer ging nicht arglos in den Schlaf
Fundstellen
  • BGHSt 30, 105 (116)
  • BGHSt 32, 382 (383 f.)
  • BGH NJW 2016, 2899
  • BGH NStZ 2010, 450 (451)
  • BGHSt 32, 382 (384)